„Im Namen der Show“ titelte eine deutsche Wochenzeitung im März 2009 einen Beitrag, der sich mit der Berichterstattung in einem österreichischen Kriminalfall der jüngsten Zeit kritisch auseinandersetzte und infolge des Medienrummels die Integrität der betroffenen Personen in Gefahr, sowie Polizeiarbeit und Rechtssprechung unter Druck sah. Der im Text anonymisierte Name des Angeklagten wurde in der Internet-Adresse zur Gänze genannt, der Beitrag avancierte zum damals meist gelesenen auf der Homepage der Zeitung…
Das damit angesprochene Spannungsverhältnis zwischen dem Rechtsgut der Informations- und Medienfreiheit und den schützenswerten Interessen von Einzelpersonen steht im Mittelpunkt des dritten Symposiums der Reihe „Medien & Recht“. Zweifellos gehört dieses Spannungsverhältnis zu den brisantesten medienrechtlichen und medienpolitischen Fragen überhaupt – und es gewinnt durch die steigende Zahl an Blogs, Communities und Videoplattformen weiter an Bedeutung. Das zeigt nicht zuletzt die Diskussion um den Entwurf der neuen Medienrechts­novelle.
Die Problematik wird dann besonders akut, wenn es um Schäden geht, die durch unzutreffende Mitteilungen verursacht worden sind. Gerade das Interesse der Gesellschaft an möglichst umfassender und aktueller Information kann auch eine besondere Gefährdung der von der Berichterstattung betroffenen Personen bedeuten. Unter welchen Bedingungen trifft die Medien eine Haftung für von Ihnen verursachte Schäden? Vor welchen Problemen steht die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen? Gibt es die Möglichkeit eines Ausgleichs zwischen den allgemeinen Interessen der Gesellschaft und den Interessen jener Einzelpersonen, die gerade durch die Umsetzung der Allgemeininteressen zu Schaden kommen?
Das vom Zentrum für Sozialwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veranstaltete Symposium „Sachgerechte Haftung der Massenmedien“ wird am 28. Jänner 2010 um 17.00 Uhr im Theatersaal der Akademie (1010 Wien, Sonnenfelgasse 19) stattfinden. Als Vortragende zugesagt haben Hon.-Prof. Dr. Peter Schiwy, Rechtsanwalt in Berlin und früherer Intendant von RIAS Berlin und des Norddeutschen Rundfunks, sowie Univ.-Prof. i.R. Dr. Helmut Koziol vom Institut für Europäisches Schadenersatzrecht; die Moderation liegt in den Händen von Hon.-Prof. Dr. Gerhard Hopf, Sektionschef i.R. des Bundesministeriums für Justiz.